Mitarbeiter haben mitgezogen

Niemand hat die Badischen Stahlwerke in Kehl mehr geprägt als Horst Weitzmann, seit mehr als 40 Jahren ist er eng mit dem Unternehmen verbunden. Heute feiert er seinen 80. Geburtstag.

Horst Weitzmann ist seit mehr als 40 Jahren eng mit den Badischen Stahlwerken (BSW) in Kehl verbunden – mehr als die Hälfte seines Lebens. Am heutigen Samstag wird der nach wie vor rüstige und umtriebige gebürtige Reutlinger 80 Jahre alt. ,,Es gibt niemanden, der die BSW mehr geprägt hat als Horst Weitzmann“ – so beginnt ein Interview mit dem langjährigen Chef in der Firmenchronik zum 50-jährigen Bestehen des Unternehmens 2018. Seinen Geburtstag feiert der Unternehmer heute im engsten Familienkreis. 

Ende 1979 begann Weitzmann bei den BSW, nach zehn Jahren im Ruhrgebiet, unter anderem bei Thyssen. Die BSW – verkehrstechnisch günstig im Kehler Hafen gelegen – sind das einzige Stahlwerk BadenWürttembergs und Deutschlands größter Bewehrungsstahlproduzent. Hergestellt werden Produkte für den Bau. „Unsere Produkte sind also völlig unspektakulär, weil sie im Beton beerdigt werden“, erklärt Weitzmann.

Anfang 1983 geriet die BSW durch die Insolvenz der KorfGruppe in eine Krise. Dem Manager Weitzmann gelang es damals gemeinsam mit seinem Partner Hans Seizinger, die BSW erfolgreich aus der insolventen Korf-Gruppe zu lösen. ,,Die Korf-Gruppe galt als innovativ und fortschrittlich, aber finanziell war sie nicht gut aufgestellt“, blickt Weitzmann zurück. ,,Willy Korf konnte es nicht schnell genug gehen, er hat ein Werk nach dem anderen hochgezogen, und am Ende war alles kreditbasiert – das konnte nicht gutgehen.“

Unter Weitzmanns Führung entwickelten sich die BSW wirtschaftlich hervorragend, wuchsen immer weiter, ohne dabei, wie viele Konkurrenten, Auslandsabenteuer einzugehen. ,,Ein großes Glück war dabei, dass die im Europa der 1970er-Jahre mehrheitlich im staatlichen Besitz befindlichen großen Stahlunternehmen privatisiert wurden.“ So wurde der Stahlmarkt neu geordnet und die BSW etablierten sich dabei mit ihrer besonders energiesparenden Produktionsweise, dem Stahlrecycling im Elektroofen. 

Dabei wurde konsequent auf gut ausgebildete Facharbeiter statt ungelernter Arbeiter gesetzt. Denn bei Werksbesichtigungen in Japan war Weitzmann aufgefallen, dass dort in etwa gleich große Unternehmen auf diese Weise eine viel höhere Produktivität vorweisen konnten, als die BSW. Das führte schließlich dazu, dass die BSW-Ausbildungsgesellschaft den deutschen Ausbildungsoskar gewinnen konnten – ,, und das vor Firmen wie Siemens und SAP“, berichtet Weitzmann. 

Schnell eingelebt

Schon 1984 wurde Weitzmann, der sich schnell im badischen einlebte, Vorstandsvorsitzender der BSW-Gruppe, Das Thema Umweltschutz begleitete ihn mehrfach. Als Beispiel nennt er eine Schrottvorwärmung nach japanischem Muster, die unangenehme Abgasgerüche für die Nachbargemeinden, etwa Auenheim, mit sich brachte. ,,Eine Fehlinvestition, die Anwohner haben revoltiert.“ Gemeinsam mit der Hochschule Offenburg und Universitäten forschte die BSW in der Folge an Lösungen, um die Stahlproduktion möglichst umweltschonend auszurichten. ,,Diese Lösungen, etwa die Dioxinfalle, vermarkten wir heute als Berater auch an andere Stahlwerke“ berichtet Weitzmann. Mittlerweile ist Umweltschutz eines der Unternehmensziele. 

Neben seinem erfolgreichen wirtschaftlichen Wirken in der Region war und ist Weitzmann auch gesellschaftlich äußerst engagiert. Besonders am Herzen liegt ihm dabei die Musik und die Kunst. Seine Büroetage im vierten Stock des Verwaltungsgebäudes der BSW im Kehler Hafen ist ein veritables kleines Kunstmuseum mit Werken Badischer Künstler, die er engagiert fördert. Als Vorsitzender des Stiftungsrats des Festspielhaus Baden-Baden hat er zudem einen großen Anteil daran, dass das Festspielhaus eine Erfolgsgeschichte wurde. 

Weitzmann ist Wagnerianer. Die Opern Richard Wagners kennt er fast auswendig: „Weil ich schon als kleiner Junge immer einmal die Woche nach Stuttgart gepilgert bin, die dortige Staatsoper war damals das beste Opernhaus der Nation.“ Sein Großvater sei großer Wagner-Enthusiast gewesen, habe ihm viele Schallplatten des Komponisten vermacht. 

Touristische Region

Sein gesellschaftliches Engagement ist ihm auch wichtig, da sich die BSW als großes Industrieunternehmen in der Ortenau in einer Region befindet, die eher touristisch geprägt ist – anders als das Ruhrgebiet. „Das ist eine Region, wo andere Leute Urlaub machen“, sagt er. Als Weitzmann vor 42 Jahren zur BSW kam, sei ihm aufgefallen, dass es eigentlich kaum Kontakt zum Umfeld gegeben habe. Daher hat er sich, auch als Präsident der Industrieund Handelskammer Südlicher Oberrhein (1989 bis 1993), für mehr Kontakt zu den vielen ,,Hidden Champions“ in der Region eingesetzt und die Gründung einer technischen Fakultät an der Universität Freiburg sowie den Ausbau der Hochschule Offenburg forciert, etwa über politische Kontakte zum damaligen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, Lothar Späth.

 Im Rückblick auf 42 Jahre bei der BSW hebt Weitzman vor allem den Teamgeist und das Zusammengehörigkeitsgefühl hervor: ,,Die schönste Erinnerung ist, wie die Mitarbeiter mitgezogen haben, und wie wir uns, als es mit den Auswirkungen des Korf-Konkurses ganz dick kam, gemeinsam aus der Krise gearbeitet haben.“ 

Weitzmann lebt mit seiner Frau Marlis in Lautenbach bei Oberkirch. Das Ehepaar hat drei Töchter und elf Enkel. Zwei Töchter sind in verschiedenen Funktionen bei der BSW aktiv. ,,Die mittlere hat ein großes Maß an unternehmerischer Erfahrung und folgt mir nach. Sie wechselt sich mit Katja Weber, der Tochter meines vor zwei Jahren verstorbenen Partners Hans Seizinger, als Aufsichtsratsvorsitzende bei der BSW ab. Wir wollen das weiter in Familienhand halten“, sagt Weitzmann. Fit hält er sich unter anderem durch regelmäßige Wanderungen im Schwarzwald und Jagden in den Alpen. 

Dabei könnte er sich auch zurücklehnen, denn die BSW steht auf soliden Füßen. Die Corona-Pandemie habe das Unternehmen praktisch nicht beeinträchtigt. ,,Im Gegensatz zur Korf-Gruppe sind wir hervorragend mit Eigenkapital ausgestattet, weil die Gewinne im Unternehmen bleiben. So würden wir also auch eine wirtschaftliche Delle von ein oder zwei Jahren problemlos überstehen“, sagt Weitzmann. 

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